Das Empire und die Biedermeier-Zeit

Wespentaille und Sanduhr-Silhouette:

Im Biedermeier löst das Korsett mit Haken das Schnürkorsett ab

Alles hat seine Zeit - auch das Tragen von Corsagen. Im ausgehenden 18. Jahrhundert, etwa 1795,  schien das Leben den Damen leichter: der Empire-Stil mit fließenden Stoffen und hoher Taille bedurfte des Korsetts kaum. Aber, noch nicht einmal angekommen in allen Schichten, änderte die Mode sich, fast so schnell wir heute: Empire ging über in Biedermeier, jene Periode bis 1848, in der Häuslichkeit, Biederkeit, - eben  Privatheit  - den Lebensstil bestimmte.

 Spätestens ab 1835 wurde Mode zur Tortur: das Ideal des Zarten, Zerbrechlichen galt für Mann und Frau. Auch bei den Herren der Schöpfung wurde eine extrem schmale Taille erwartet und so schnürte auch er sich oder trug ein Korsett.  Die Damen jedoch taten alles, um filigran zu wirken. Schnürmieder waren unverzichtbar und tatsächlich schnürten diese Korsetts die Taille idealerweise so ein, dass man sie mit zwei Händen umfassen konnte. Diesen zerbrechlichen Effekt erzielten Korsagen, die vor der Einführung der "mechanischen" Neuentwicklungen zu recht "Schnürtaille" hießen: Eine Schnur wurde oben in ein Schnürloch gebunden um dann im Zick-Zack geführt und unten zu einer Schleife verschlossen zu werden. Je enger diese Schnüre gezogen wurde, desto schmaler schien die Taille und, ganz dem erotischen Ideal jener Zeit entsprechend,  um so voluminöser das Gesäß. Erotik - im Biedermeier war das  Gesäß und Bein.

Aber auch in dieser scheinbar stillen Zeit vor der bürgerlichen Revolution gab es Neues:  in den späten 20er Jahren erschien in Paris die ersten "mechanischen Korsetts". "Mechanisch"  - das waren die Verschlüsse.  Metallösen statt Schnüre sicherten das Korsett.  So wurde es den Damen möglich, ihre Corsage alleine anzulegen. Dies war besonders für die Frauen der arbeitenden Bevölkerung eine große Erleichterung. Jedoch sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis Haken und Ösen auch den  Korsettnäherinnen in deutschen Landen zur Verfügung standen.

Sieht man ab von der erotischen Orientierung an Gesäß und Bein, wissen wir wenig vom "Darunter" des Biedermeier. Sicher aber ist, dass die Corsagen mit weit außen sitzenden Trägern ausgestattet waren und so ein großes Dekolleté trotz der wichtigen Rolle von Bein und Po zum Auftritt gehörte.

Betrachtet man die Zeichnungen jener Jahre, so scheint es, als sei der Übergang vom Schnüren zum Haken des Korsetts für die Männer jedoch ein Verlust: Das "Aufschnüren" hatte offensichtlich eine starke erotische Wirkung.

Corsage und Korsetts im Alltag Empire 1803 - Corsage im Alltag der JahrhunderteWandlungen im Corsagen AlltagDas Korsett im Alltag1816 - Die Corsage im Alltag des EmpireAuf dem Weg zur Corsage im Alltag

 

 

 

 

Alle Bilder aus  Journal des Luxus und der Moden-Kolorierte Kupfer aus Deutschlands erster Modezeitschrift, Die Bibliophilen Taschenbücher, Harenberg Kommunikation, Dortmund, 1979

 

 

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