1910

Die Jahre 1910 bis 1920 im der Mode
Der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war stark von der Emanzipation der Frauen, durch den ersten Weltkrieg und durch einen Namen geprägt: Coco Chanel.

Der Weg vom Korsett zum Büstenhalter

Lange diente das Korsett für Frauen als Must-Have, weil es die weibliche Linie hervorstrich. Gesundheitlich bedenklich, war es aber auch ein Zeichen für die Unterdrückung der Frauen. Neben dieser formenden Corsage gab es aber auch andere einengende Kleidungsstücke, wie der vom französischen Modedesigner Paul Poiret kreierte Humpelrock, der die Beine einengte und nur kleinste Schritte erlaubte. Diese beengten Frauenkleider wurde insbesondere von den Suffragetten als Symbole gegen die Unterdrückung verstanden und entsprechend abgelehnt. Auf dem Weg zu Frauenwahlrecht und Recht an den eigenen Kindern wollten sich Frauen auch in der Mode frei bewegen. Obwohl es schon seit dem späten neunzehnten Jahrhundert Ideen und Bestrebungen für eine Abschaffung des Korsetts gab, meldete erst die Dresdnerin Christine Hardt 1899 das erste deutsche Patent für Büstenhalter an. Als Lehrerin für Heilgymnastik stand jedoch bei ihr der gesundheitliche Aspekt an erster Stelle bei der Abschaffung der Corsage Alltag. Allerdings gilt nicht Hardt sondern die Amerikanerin Mary Phelps Jacob als Erfinderin des heutigen Büstenhalters. 1914 wurde ihre Erfindung patentiert und für $ 1.500,- von der Warner Brothers Corset Company aufgekauft, der mit Modellen aus Leinen und später aus Seide, Musselin und Batist den Siegeszug des BHs antrat.

Sport wird zur Beschäftigung für Frauen

Mit der Entdeckung von sportlichen Aktivitäten für Frauen wurde die Mode ebenfalls umgeformt. Ideal im Alltag und gut geeignet, um leichte Bewegungen durchzuführen, setzte sich das Reformkleid durch. Dieses gerade geschnittene Kleid verzichtet auf jegliche Corsage und fällt von den Schultern locker bis zur Wade. Als Alternative trugen Frauen zu langen, oftmals geschlitzten Röcken weite Tuniken. Ohne Corsage tragen diese Kleidung insbesondere die von den heißen Rhythmus geprägten Tangotänzer. Weniger auffällig und ein Comeback feiernd zeigt sich der Empire-Stil. Diese Kleider betonten statt der Taille die Brust, wurden unter dieser gebunden und fielen danach ebenfalls fliesend bis zum Boden. Allen neuen Kleidungsstilen war gemein, dass sie auf die einengenden Bereiche verzichteten und dafür eine größtmögliche Bewegungsfreiheit garantierten. Ob Tennis spielen, wandern, schwimmen oder turnen - Frauen nutzten die neue Bewegungsfreiheit auch in der Freizeit und gründeten auch Frauensportvereine.

Hosen der Männer werden zu Beinkleider für Frauen

Während wenige Jahre davor das Tragen von Hosen für Frauen undenkbar gewesen wäre, war Coco Chanel mit ihrem Kleidungsstil, ihrer Kurzhaarfrisur und ihren eleganten und schlichten Modeentwürfen und ihren Parfums Vorreiter für eine ganze Generation. Durch Chanel und durch die Vorboten des Krieges bedingt, traten Hosen, Bolero-Jacken und strapazierfähige Jacken in Herrenoptik den Siegeszug an. Die Mode der Männer selbst war jedoch unspektakulär. Klassisch gerade geschnitten, in gedeckten Farben, allzeit einsetzbar und kombiniert mit Kurzhaarfrisuren und ungeschminkten Gesichtern zeigten sich Männer von ihrer maskulinen Seite.

Corsage tragen wird zum Modetrend der Neuzeit

Viele Modetrends der Zwanziger sind heute wieder sehr beliebt. Unter "Corsage Alltag" tragen heute Frauen freiwillig Korsetts, um ihre Taille und ihr Dekollete zu betonen. Allerdings erlauben die heutigen Modelle trotz Formung beste Bewegungsfreiheit. Ebenfalls ein Revival feiern Empire-Kleider.
 
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