Ende 30er Jahre - Kriegsjahre

Mode der 30er und 40er Jahre: Einschränkung, Wandel und Aufbruch
Die 1930er Jahre waren turbulent und in Europa von bedrohlichen Zukunftsszenarien bestimmt. Parallel dazu entwickelt sich die Technik rasant, was den Bürgern auch Lust auf Fortschritt machte. In diesem Spannungsfeld bewegte sich auch die Mode. Infolge der Weltwirtschaftskrise hatten die Familien kein Geld für Garderobe übrig. Kleidung musste alltagstauglich sein. Die androgyne Mode der 20er Jahre war Vergangenheit, nun machte man aus der Not eine Tugend und probierte verschiedene Stile aus.

Dezente Weiblichkeit in den frühen Dreißigern
Der Wandel vom androgynen Typ zur Weiblichkeit wird besonders in der Abendmode deutlich. Die Städterin zeigt Chic, auch wenn das Geld knapp ist. Damit zeigen die 30er Jahre ein in der Geschichte typisches Phänomen: je schwieriger die Wirtschaftslage, desto größer das Bedürfnis nach Prunk. Die Damenmode der frühen 30er Jahre war figurbetont und von Rock und Bluse geprägt. Das Kostüm mit schmalem, wadenlangem Rock und tailliertem Jäckchen war sehr populär. Marlene Dietrich gehörte neben Greta Garbo und Schauspielerin Jean Harlow zu den Stilikonen dieser Zeit. Sie inspirierte zum Tragen weiter Hosen, die als Marlene-Hosen Modegeschichte schrieben. Dazu trug Frau gerne ein Bolero. Im Sommer unterstrichen enge Oberteile, oft trägerlos und rückenfrei, und weite Röcke die feminine Linie. Miederwäsche war ein Must-have und Korsett und Corsage erhielten eine Imageaufwertung.

Auch im Krieg hatte Mode Bedeutung
Die Kriegsjahre waren durch Entbehrungen und Not gekennzeichnet. Existenzielle Fragen bestimmten den Alltag, doch die Mode spielte auch jetzt eine Rolle. Kleiderstoffe waren rationiert, sodass man sich stark einschränken musste. Aufgrund dessen waren Pelzbesatz und Rüschen in England sogar eine Weile verboten. Es kam mehr denn je auf Einfallsreichtum an. Zwangsläufig nähten Frauen Kleidung aus wenig Stoff, recycelten und funktionierten Männersachen um. Durch die Vereinheitlichungsstrategie des NS-Regime waren Soldatenuniformen eine starke Inspirationsquelle. Corsage und Korsett erhielten ihren angestammten Platz als Wäschestücke, die der Mann nur im Schlafzimmer zu sehen bekam.

Mode der 1940er Jahre – geprägt von Rationierungen
In den 40ern vermischen sich Modeeinflüsse mehrerer Jahrzehnte. Die Röcke wurden kürzer und bedeckten nur die Knie. Dekolletees waren out, hochgeschlossene Blusen und eng anliegende Pullover bestimmten die Damenmode. Typisch für den Stil der 40er waren Schmetterlingsärmel, Kostüme und breite Schultern bei Herren- und Damenkleidung. Die Schulterpolster unterstrichen den Uniformstil perfekt. Röcke gab es sowohl glockenförmig als auch schmal geschnitten. Der Reißverschluss, von einem ausgewanderten Schweizer erfunden, kam nach Kriegsende aus den USA nach Europa. Sein Siegeszug war nicht aufzuhalten.

Ende der 40er Jahre – Aufbruchstimmung auch in der Mode
Drei Jahre nach Kriegsende setzte sich langsam ein neues Modebewusstsein durch. Der Petticoat tauchte erstmals auf, weitschwingende Tellerröcke und eng anliegende Pullis kamen in Mode. Die Schulterpolster verschwanden. Trotz großer Armut blieb Paris in den Kriegs- und Nachkriegsjahren Europas Modestadt Nr. 1. Mit seiner Kollektion „Carolle“ erregte Christian Dior 1947 in ganz Europa Aufsehen. Sie war von üppigen Volants gekennzeichnet. Die Oberteile waren zum Teil rückenfrei und trägerlos und auch nach heutigen Gesichtspunkten sehr sexy. Die deutsche Modezeitschrift „Constanze“ veröffentlichte erst zwei Jahre später Bilder der Kollektion. Man wollte sich nicht den Vorwurf der Stoffverschwendung gefallen lassen.

 
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